Der praktische Teil der neuen Pflegeausbildung beinhaltet Einsätze in verschiedenen Einrichtungen. § 7 Pflegeberufsgesetz regelt, welche Einrichtungen dafür in Frage kommen.

Pflichteinsätze

§ 7 Absatz 1 Pflegeberufsgesetz sieht vor, dass Pflichteinsätze im Rahmen der praktischen Ausbildung
- in der allgemeinen Akutpflege in stationären Einrichtungen,
- in der allgemeinen Langzeitpflege in stationären Einrichtungen und
- in der allgemeinen ambulanten Akut- und Langzeitpflege geleistet werden.

Die Einrichtungen, in denen diese Pflichteinsätze durchgeführt werden können, sind zugleich die Einrichtungen, die auch die Trägerschaft der praktischen Ausbildung nach § 8 Pflegeberufsgesetz übernehmen können und mit dem oder der Auszubildenden den Ausbildungsvertrag nach § 16 Pflegeberufsgesetz schließen sowie den Ausbildungsplan zur Durchführung der praktischen Ausbildung entwickeln.

Die Definition nach Nummer 1 umfasst auch psychiatrische Krankenhäuser, wenn die Ausbildungsinhalte der allgemeinen Akutpflege vermittelt werden können.

Ausbildungsbeginn

Die Ausbildung soll mit einem längeren Pflichteinsatz beim Träger der praktischen Ausbildung beginnen, um in der Einstiegsphase der Ausbildung für die Auszubildenden einen festen Rahmen anbieten zu können.

Pädiatrie

Die Auszubildenden müssen darüber hinaus nach Absatz 2 Pflichteinsätze in den speziellen Bereichen der pädiatrischen Versorgung und der allgemeinen, geronto-, kinder- oder jugendpsychiatrischen Versorgung leisten.

Diese können in den in Absatz 1 aufgeführten Einrichtungen oder aber in anderen Einrichtungen (z.B. Kinderarztpraxis) durchgeführt werden, soweit diese zur Vermittlung der Ausbildungsinhalte geeignet sind.

Weitere Einsätze

Die weiteren Einsätze können ebenfalls in den Einrichtungen nach Absatz 1 oder anderen geeigneten Einrichtungen durchgeführt werden. Sie dienen dazu, Bereiche der Pflege kennenzulernen, die in den Pflichteinsätzen nicht im Fokus stehen. So können diese beispielsweise im Bereich Sterbebegleitung, Palliation, Rehabilitation oder Pflegeberatung absolviert werden.

Vertiefungseinsatz

Der Vertiefungseinsatz soll in der Regel wieder beim Träger der praktischen Ausbildung stattfinden. Er soll in einem der Bereiche geleistet werden, in dem der oder die Auszubildende bereits einen Pflichteinsatz geleistet hat.

Praktische Ausbildung beim Träger der praktischen Ausbildung

Der überwiegende Teil der praktischen Ausbildung soll beim Träger der praktischen Ausbildung stattfinden. Hierdurch wird ermöglicht, dass sich eine enge Bindung bilden kann zwischen dem Auszubildenden und dem Träger der praktischen Ausbildung, der die Durchführung der praktischen Ausbildung insgesamt verantwortet.

Auf diese Weise wird der Übergang in die Berufstätigkeit und das Interesse der Träger an der Ausbildung unterstützt. Hierbei handelt es sich allerdings um eine Soll-Vorgabe, von der abgewichen werden kann. So können der Träger der praktischen Ausbildung und der Auszubildende etwa festlegen, dass der Vertiefungseinsatz in einer anderen Einrichtung als beim Träger der praktischen Ausbildung geleistet werden soll.

Eignung der Einrichtung

Ob eine Einrichtung – dies gilt auch für die in § 8 Absatz 1 Pflegeberufsgesetz genannten Einrichtungen – grundsätzlich zur Durchführung von Teilen der praktischen Ausbildung geeignet ist, bestimmt sich auch nach dem Recht des jeweiligen Bundeslandes. Bundesrechtlich ist in § 8 Absatz 4 Pflegeberufsgesetz vorgegeben, dass eine Einrichtung nur dann zur Vermittlung von Ausbildungsinhalten im Rahmen der praktischen Ausbildung geeignet ist, wenn ein angemessenes Verhältnis von Auszubildenden zu Fachkraft gewährleistet ist. Die zuständige Landesbehörde kann im Falle von Rechtsverstößen einer Einrichtung die Durchführung untersagen.

Weitere Einzelheiten zu Umfang und Verteilung der Einsätze regelt die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung nach § 56 Pflegeberufsgesetz.

Träger der praktischen Ausbildung

Wer Träger der praktischen Ausbildung sein kann und welche Aufgaben damit verbunden sind, ist in § 8 Pflegeberufsgesetz geregelt.

Die Trägerschaft der praktischen Ausbildung durch einen Ausbildungsbetrieb auf der Grundlage eines Ausbildungsvertrages ist das wesentliche Merkmal einer dualen Berufsausbildung. Die Ausbildungsverantwortung des Ausbildungsbetriebs wird gestärkt und die Identifikation und Zugehörigkeit des Auszubildenden mit der jeweiligen Einrichtung wird gefördert.

Wer kann Träger der praktischen Ausbildung sein

Träger der praktischen Ausbildung können nur die in § 7 Absatz 1 Nummer 1 bis 3 Pflegeberufsgesetz genannten Einrichtungen sein, die darüber hinaus weitere Anforderungen erfüllen müssen.

Träger der praktischen Ausbildung können danach nur Einrichtungen sein, die eine Pflegeschule nach § 9 selbst betreiben oder die mit mindestens einer Pflegeschule einen Vertrag über die Durchführung des theoretischen und praktischen Unterrichts geschlossen haben. So soll die Verknüpfung der theoretischen mit der praktischen Ausbildung sichergestellt werden.

Verantwortung für die Durchführung

Der Träger der praktischen Ausbildung hat die Verantwortung für die Durchführung der praktischen Pflegeausbildung einschließlich deren Organisation und Koordination bei mehreren an der praktischen Ausbildung beteiligten Einrichtungen.

Ausbildungsplan

Der Träger erstellt einen Ausbildungsplan für die praktische Ausbildung. Dieser muss zeitlich und sachlich so gegliedert sein, dass das Ausbildungsziel in der Ausbildungszeit erreicht werden kann. Der Ausbildungsplan muss nach § 10 Absatz 1 Satz 3 Pflegeberufsgesetz den Anforderungen des Lehrplans der Pflegeschule entsprechen.

Wenn nicht alle vorgegebenen Einsätze der praktischen Ausbildung beim Träger der praktischen Ausbildung durchgeführt werden können, müssen weitere Einrichtungen, die den Anforderungen nach § 7 genügen, an der praktischen Ausbildung beteiligt werden. Der Träger der praktischen Ausbildung schließt dann mit den weiteren Einrichtungen Vereinbarungen, um die Durchführung auf der Grundlage des Ausbildungsplans zu gewährleisten. Das umfasst auch die Sicherstellung der Praxisanleitung in den Einrichtungen.

Wenn zwischen dem Träger der praktischen Ausbildung und einer Pflegeschule Trägeridentität besteht, kann Pflegeschule die Aufgaben des Trägers der praktischen Ausbildung übernehmen. Besteht keine Trägeridentität, kann der Träger der praktischen Ausbildung durch Vereinbarung auch die Wahrnehmung von Aufgaben an die Pflegeschule übertragen. So können kleinere Ausbildungsbetriebe leichter die Trägerschaft der praktischen Ausbildung übernehmen. Der Ausbildungsbetrieb kann in diesem Rahmen die Pflegeschule zum Abschluss des Ausbildungsvertrages bevollmächtigen, so dass die formale Anmeldung zur Ausbildung in einem Schritt erfolgen kann.

Die über den Ausbildungsvertrag definierte Stellung eines Ausbildungsbetriebs als Träger der praktischen Ausbildung bleibt davon jedoch unberührt. Damit ist zugleich die betriebliche Zuordnung einschließlich der betrieblichen Mitbestimmungsrechte der Auszubildenden zum Ausbildungsbetrieb sichergestellt.