Gesetzlicher Auftrag

Das Ausbildungsziel der neuen fachschulisch beruflichen Pflegeausbildung ist in § 5 Pflegeberufsgesetz geregelt. Somit normiert diese Vorschrift den staatlichen Ausbildungsauftrag sowohl für die Pflegeschulen als auch für den Träger der praktischen Ausbildung sowie die sonstigen an der Ausbildung beteiligten Einrichtungen.

Weil der Ausbildungsauftrag kraft Gesetzes besteht, ist er automatisch Gegenstand eines jeden Schulverhältnisses und Ausbildungsvertrags, der zwischen dem oder der Auszubildenden und dem Träger der praktischen Ausbildung geschlossen wird.

Daraus folgt wiederum, dass die Pflegeschule, der Träger der praktischen Ausbildung und die sonstigen an der praktischen Ausbildung beteiligten Einrichtungen verpflichtet sind, den Ausbildungsauftrag nach den Vorgaben des Gesetzes und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung nach § 56 zu erfüllen.

Zielvorgaben

Ziel der Pflegeausbildung ist es, den Auszubildenden die Kompetenzen zu vermitteln, die für die selbstständige und prozessorientierte Pflege von Menschen aller Altersstufen in akut und dauerhaft stationären sowie ambulanten Pflegesituationen erforderlich sind. Das Pflegeberufsgesetz hat die Trennung der Ausbildungsziele nach Altersgruppen in den bisherigen Ausbildungen nach dem Altenpflegegesetz und dem Krankenpflegegesetz beendet.

Entsprechend § 5 Absatz 2 Pflegeberufsgesetz erlernen die Auszubildenden die Kompetenzen,
- präventive, kurative, rehabilitative, palliative und sozialpflegerische Maßnahmen
- zur Erhaltung, Förderung, Wiedererlangung und Verbesserung der physischen und psychischen Situation der zu pflegenden Menschen durchzuführen,
- Menschen mit Pflegebedarfen zu beraten und
- in allen Lebensphasen zu begleiten, insbesondere auch die Begleitung von Sterbenden.

Die in der Ausbildung zu entwickelnden Kompetenzen umfassen die erforderlichen fachlichen und personalen Kompetenzen.

Hierzu gehören auch die erforderlichen methodischen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen sowie Lernkompetenzen und die Fähigkeit zum Wissenstransfer.

Die Auszubildenden werden darüber hinaus befähigt, sich im Sinne des lebenslangen Lernens persönlich und fachlich fortzubilden und weiterzuentwickeln.

Charkteristischen Aufgaben des Pflegeberufs

Am Ende der Ausbildung sollen die Auszubildenden befähigt sein, die vielfältigen Aufgaben des Pflegeberufs sicher zu übernehmen. § 5 Absatz 3 Pflegeberufsgesetz präzisiert in einer umfassenden, aber nicht abschließenden Aufzählung, die charakteristischen Aufgaben des Pflegeberufs und die Fähigkeiten, die zu ihrer ordnungsgemäßen Erfüllung in der Ausbildung nach diesem Gesetz zu entwickeln sind.

Unterscheidung zwischen selbständig und eigenständig

Hierbei wird unterschieden zwischen
- Aufgaben, die eine Pflegefachkraft selbstständig ausführt,
- ärztlich angeordnete Maßnahmen, die die Pflegefachkraft eigenständig durchführt sowie
- die interdisziplinäre Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen.

Bei Verwendung der Begriffe "selbstständig" oder "eigenständig" wurde auf die Erläuterungen zu den Begrifflichkeiten des Deutschen Qualifikationsrahmen (vgl. DQR-Handbuch Stand 1.8.2013, Glossar) abgestellt.

Selbständigkeit

Der Begriff der Selbstständigkeit umfasst danach insbesondere auch das Element des Tätigwerdens in eigener Verantwortung.

Eigenständigkeit

Der Begriff der Eigenständigkeit erfasst hingegen den Fall des Tätigwerdens auf fremde (ärztliche) Anordnung. Übernahme- und Durchführungsverantwortung verbleiben unabhängig davon immer bei der Pflegefachfrau bzw. dem Pflegefachmann.

Die Ausbildungszielbeschreibung umfasst die Mindestanforderungen an die Ausbildung und hebt dabei in Nummer 1 die Kernbereiche der beruflichen Aufgaben hervor. Diese Mindestanforderungen sind durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung nach § 56 zu konkretisieren.

Aufwertung des Berufsstandes Pflege

Durch die berufliche Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufsgesetz soll auch eine Aufwertung des Berufsstandes Pflege und eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung der Pflegetätigkeit erreicht werden.

Der Gesetzgeber wollte, dass bereits in der Ausbildung ein professionelles, ethisch fundiertes Pflegeverständnis und insbesondere ein berufliches Selbstverständnis entwickelt werden soll, um sich selbstbewusst neben anderen Gesundheitsfachberufen inklusive der Ärzteschaft als Berufsgruppe zu positionieren.